Max Arnold // Regionale 14 – Being Specific! // 28.11.2013–5.1.2014 Kunsthaus Baselland, Basel

Maximilian Arnolds Arbeiten sind das Ergebnis eines Spiels mit den Merkmalen des Bildes, sie sind Resultat des Ausprobierens der digitalen Flüchtigkeit und Wiederholbarkeit im Medium der Malerei. Dadurch bewegen sie sich auf dem schmalen Grad zwischen diesen zwei Medien und erfordern ein genaues Hinsehen, ein Inspizieren; das Betrachten gleicht hier einem Suchen nach Indizien, nach Beweisen, anhand welcher die Arbeiten als Malerei identifiziert werden können.
Die Bilder sind Fragestellung und Antwort in Einem. Ihre Fragen lauten: Wie viel kann der Maler dem Bild nehmen, dass es beinah nicht mehr, aber immer noch ein Gemälde ist? Und wie viel Digitalität verträgt ein Gemälde?
Die Antworten ergeben sich sowohl während ihres Herstellungsprozesses als auch während des Betrachtens.
Arnold entzieht seinen Bildern die Merkmale eines Gemäldes und fügt ihnen jene des digitalen Bildes hinzu. Dieser Vorgang ist immer begleitet von einem „beinah nicht mehr, aber immer noch“: letztlich lassen sich jedoch stets Anzeichen eines malerischen Prozesses finden; am Ende bleiben die Arbeiten Gemälde.
Just You And Me Dancing ist eine Collage aus einem digital und einem analog hergestellten Bild, doch obschon die vertikal verlaufende Naht die Grenze zwischen beiden erkennbar macht, lässt sich nicht sofort ausmachen, bei welcher Hälfte es sich um das digital erstellte Bild handelt.
Die Schwierigkeit der genauen Unterscheidung ergibt sich durch das Reduzieren jener Anhaltspunkte, die ein Gemälde ausmachen: keine der beiden Hälften lässt einen Farbauftrag auf einem Bildhintergrund erkennen. Während ein digitales Bild, beispielsweise eine auf einem Bildschirm gezeigte Abbildung, dieses Merkmal per se mit sich bringt, wird dieser Effekt in Arnolds Gemälden durch die besondere Herstellungsweise erreicht. Mittels eines aggressiven Lacks werden die Farbstoffe angelöst und in den Polyester-Stoff hineingezogen, so dass die Bildoberfläche verschwindet und eine vollkommen plane Bildebene entsteht.
Ein genauer Blick auf die über die gesamte Fläche verteilten weißen Striche gibt Aufschluss über die Machart der Arbeiten: die Striche offenbaren sich als Schnitte in einen Stoff, der hinter dem Vorderen auf dem Keilrahmen angebracht ist. An der Stelle dieser Schnitte bleibt der vordere Stoff beim Einfärben durch Auftragen des Lackes weiß.
Diese Cuts sind ebenso wie die nachvollziehbaren Bahnen des Fensterschiebers, mit welchem der Lack abgezogen wurde, die Spur des Künstlers, die er auf bzw. hinter der Bild-Oberfläche hinterlassen hat.
Der Herstellungsprozess wird des Weiteren immer vom „geplanten Zufall“ begleitet; Arnold schafft bei der Anfertigung seiner Arbeiten Rahmenbedingungen innerhalb derer sich der Zufall ereignen kann. Die durch Auftragen des Lackes neu entstehende Farbigkeit ist gewollt, welche Farbe allerdings letztlich aus den industriell eingefärbten Polyestern herausgelöst wird, lässt sich nicht von vornherein sagen. Auch der Moiré-Effekt ist ein Ergebnis des Zufalls: beim Trocknen des Lackes finden sich die angelösten Farbstoffe zu nicht vorhersehbaren Formen zusammen. Durch dieses teilweise Abgeben der Kontrolle ergibt sich fortlaufend die Notwendigkeit der Toleranz gegenüber dem Unerwarteten.
Der gewollte Zufall spielt des Weiteren im digital erstellten Pendant eine Rolle. Es handelt sich hierbei um eine auf den Polyester-Stoff aufgezogene Fotografie eines Gemäldes, welches zuvor durch den eben beschriebenen Prozess hergestellt wurde.
Die beiden horizontalen Linien, die die blaue Fläche zerteilen, sind die Schnittstellen, an welchen Stücke des abfotografierten Bildes in einem digitalen Bildbearbeitungsprogramm aneinandergefügt wurden. Die weißen Einschnitte und die Spuren, die beim Abziehen des Lackes entstanden, sind dieselben wie auf der rechten Seite – in digitaler Form.
Wie auch in der Arbeit Donna`s Dilemma entsteht hier ein Bild aus einem älteren Bild des Künstlers: das Ausgangsgemälde wird durch die Reproduktion zu einem digital erstellten Bild und vereint somit die Merkmale zweier unterschiedlicher Medien.

Text: Ferial Nadja Karrasch

Maximilian Arnold

Kunsthaus Baselland

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