LAURENCE EGLOFF // suspension of disbelief // 27.10.-02.12.2017 // Schwarz Contemporary

Die Ausstellung suspension of disbelief beginnt schon vor der Glastür der Galerie: sofort fällt der Blick auf die großformatige Arbeit Papier paint (grün), die durch die Kassetten der Fenster gerastert wird. Erst aus der Nähe betrachtet ist zu erkennen, dass das Werk nicht direkt auf die Galeriewand aufgetragen wurde, sondern aus einzelnen, mit Wandkleister aufgeklebten Papierbahnen besteht. Je näher man Papier paint kommt, desto größer wird die Herausforderung für das betrachtende Auge. Wo zuvor noch ein wiederkehrendes, nicht eindeutig zu identifizierendes Motiv zu erkennen war, löst sich die Farbe aus der Nähe zu einem nervösen Flirren auf, das es dem Auge schwer macht, sich zu fokussieren. Das Sehen wird hier so anstrengend, dass man sich gezwungen fühlt, wieder Abstand zu nehmen.
Vor dieser Arbeit stehend ergeben sich zwei Sichtachsen: Die erste Achse verbindet Papier paint (grün) und das ebenfalls großformatige Papier paint (ornemental), sowie die im hinteren Raum präsentierte Arbeit Papier paint (Poussin). Laurence Egloff verwendet hier erstmals Sprayfarbe und nutzt als Bildträger unterschiedliche Wandtapeten.
Die zweite Sichtachse führt zu den Arbeiten Scène mythologique I und Wandpaar, welche die Gruppe der sechs ausgestellten Ölbilder auf Leinwand einführen. Dieses Ensemble wird im hinteren Bereich der Galerie durch Scène mythologique II, Jalousie, Maternité und Postkarte fortgesetzt. Das Changieren zwischen dem Erkennen und dem Nicht-Erkennen, das Papier paint (grün) kennzeichnet, kehrt auch in Egloffs 2017 entstandenen Ölgemälden immer wieder. So bleiben die Motive in Scène mythologique I & II schemenhaft; die Bilder lassen Assoziationen zu, geben Andeutungen, die sich in einem Moment konkretisieren, jedoch im nächsten Augenblick wieder auflösen. Maternité vermittelt den Eindruck, als zögen die Farben an der Leinwand vorüber. Das Verwischte ruft eine Unschärfe hervor, die regelrecht dazu auffordert, das Bild aus weiterer Entfernung oder aus zusammengekniffenen Augen zu betrachten. Egloffs Ölgemälde zeichnen sich durch einen flächigen, pastosen Farbauftrag aus, Farbschichtungen und Pinselspuren erzeugen einen tiefen Bildraum, der zuweilen das Bild in ein Vorne und ein Hinten unterteilt. Papier paint (ornemental) ist demgegenüber durch eine „luftige“ Bildfläche charakterisiert, die an ein eilig erstelltes Graffiti erinnert. Aus einigem Abstand betrachtet ergibt sich aus den Strichen und Bögen ein Ornament, das sich um ein zentrales Motiv anordnet. Anders als die miteinander reagierenden und sich quasi ineinanderschiebenden Ölfarbaufträge bleiben die gesprühten Farben und Formen jedoch voneinander isoliert. Das florale Muster der Schmucktapete ist deutlich zu erkennen, wodurch sich Bild und Bildträger nur geringfügig verbinden.
Auch Papier paint (Poussin) im hinteren Raum unterscheidet sich deutlich von den dichten Bildräumen der Ölgemälde. Die Arbeit ist eine überdimensionierte Skizze, die in Gestus und Formensprache den schnell gefertigten Zeichnungen der Künstlerin gleicht, mit deren Hilfe sie alltägliche Motive festhält und die oftmals die Vorstufe ihrer Ölarbeiten sind. Den Vorlagen zu ihren Arbeiten begegnet Laurence Egloff zufällig, es sind images trouvées, unauffällige Motive, die die Aufmerksamkeit der Künstlerin spontan auf sich ziehen. Oftmals zeigen die Arbeiten kleine Ausschnitte eines größeren Ganzen, fokussieren ein Fragment, so wie im Fall der Malereien Jalousie oder Wandpaar im ersten Raum. Das Motiv ist einem einzelnen Detail nachempfunden, das die Künstlerin in einer verlassenen Wohnung entdeckte und das in dieser Ausstellung als ein Verweis auf eine fremde, private Welt fungiert.

Text : Ferial Nadja Karrasch

Schwarz Contemporary

 

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Installationsansicht, Papier paint (grün)
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Installationsansicht
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Installationsansicht, Papier paint (ornemental)
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Installationsansicht
1710 Schwarz Contemporary 1 (photo_ def image) (1)
Installationsansicht, Papier paint (Poussin)

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